Heute war ein sehr ereignisreicher Arbeitstag: Um 13 Uhr sollte ich da sein. G. war schon da und der andere FSJ-ler kam auch bald. Nennen wir in einfach L. wie Lustik. Haha, Spaß, sein Name beginnt wirklich mit L. Wir mussten die Bühne aufräumen und danach habe ich eine ganze Weile mit L. geredet. Ich begann, ihn wirklich nett zu finden. Danach sind wir drei zur Probe gefahren. G. mit mir und L. alleine. Als wir da waren, ging die Probe los. Aber es dauerte nicht lange, bis L. und ich dazu degradiert wurden, die Toilette zu putzen. Das Ganze sah dann so aus, dass L. die Waschbecken putzte und ich den Rest. "Weil ich die Frau bin.", sagte er, während er sein Sarkasmus-Schild hochhielt. Fand ich trotzdem nicht besonders witzig. In diesem Moment war jedes bisschen Sympathie, das ich bis dahin für ihn entwickelt hatte, schlagartig verschwunden. Aber was blieb mir anderes übrig als mein Schicksal anzunehmen und das Klo zu putzen ? Und den kompletten Waschraum. Danach war ich emotional angeschlagen. Ich meine, stellt ihr es euch lustig vor, die ganze Zeit mit den Händen im Klowasser rumzurühren ? Ist ja gut, ich hör ja schon auf. Danach saßen L. und ich noch eine Weile zusammen im Proberaum und redeten. Das war richtig nett und lustig und irgendwie sogar ein bisschen süß. Bis wir feststellten, dass wir uns kennen. Beziehungsweise ich stellte das fest, weil er es mir sagte. Er war auf der gleichen Schule wie ich und, nunja, ich war damals etwas...anders. Vorsichtig ausgedrückt. Ich habe meinen Ex regelrecht gestalkt und dabei anscheinend L. des öfteren fast umgerannt. Schade nur, dass ich nichts davon weiß. Peinlicher noch: Die ganze Schule wusste anscheinend, wer das Objekt meiner Begierde war. Ich dache, ich könnte endlich mal wieder Leute kennen lernen, die unvoreingenommen mir gegenüber sind. Aber nein. Alle Leute, die ich kennen lerne, kannte ich in Wirklichkeit schonmal und ich musste feststellen, dass ich für immer den Ruf haben werde, die zu sein, die einen Knall hat. L. meinte, dass das nicht unbedingt negativ sein muss. Süß. :-D Unangenehm war es mir trotzdem und nachdem wir dieses Thema abgehandelt hatten, war ich emotional vollkommen fertig. Bin auch kurzzeitig draußen gewesen und habe heimlich ein paar Tränen vergossen, aber es kam niemand, um mich zu trösten, also bin ich dann wieder reingegangen. Besser ging es mir dann immernoch nicht. Am liebsten hätte ich ihn einfach nur umarmt. Aber ich habe mich nicht getraut. Aaaalso nicht so, wie ihr jetzt vielleicht denkt. Ich wollte ihn einfach nur umarmen. Ich bin so. Sehr emotional. Manchmal. Okay, eigentlich immer. Aber in diesem Moment war ich psychisch echt vollkommen am Ende.
L. musste dann irgendwann gehen, die Probe ging aber noch weiter. Also saß ich dann mit den anderen im Proberaum und ich hatte langsam keine Lust mehr, weil ich seit sechs Stunden da war. Als die Probe dann zuende war, machten wir aus, dass ich noch ein paar Leute bis zum Bahnhof mitnehmen sollte. Diese haben sich dann allerdings erst hingesetzt und Bier getrunken und geraucht. Ich wollte zwar nach Hause, aber ich habe mich dazu gesetzt und eine mitgeraucht. Dabei erzählten sie mir, dass sie alle drei glaubten, dass L. ein bisschen auf mich steht. Obwohl ich jetzt nicht so das Gefühl hatte, fand ich das irgendwie cool :-D Dann sagten sie aber noch, dass sie bei jeder schon mal das Gefühl hatten, dass er auf sie steht :-D Aus einer Kippe wurden dann zwei und es war auch echt lustik und entspannt. Erst haben wir noch über ihn geredet, ja, über ihn, Person Y, der, der auf diesem Blog für gewöhnlich mit er gemeint ist. Ich erzählte die Geschichte, wie es dazu kam, dass ich jetzt Praktikantin bin und natürlich auch, dass er mir dabei geholfen hat. Auf einmal kam die Frage, ob ich auf ihn stehe. :000 "Nein ?"sagte ich ganz selbstbewusst. Ich meine, tue ich ja auch nicht. Ich bin ja schließlich nicht verliebt. Naja, ein bisschen vielleicht. Quatsch, natürlich nicht. Wäre ja auch absurd. ich weiß nur nicht, wie ich es sonst beschreiben sollte. Es ist dieses Gefühl, für das es kein Wort gibt. Wenn ich dieses Gefühl irgendjemandem beschreiben würde, würden sie sagen: "Natürlich bist du verliebt." Aber nein, das bin ich nicht. Und selbst, wenn ich es wäre: Wie kommen die darauf ?? Hat man mir bestimmt an meinen funkelnden Augen angesehen, während ich von ihm geredet hab. Nein, Spaß. :-D So krank bin ich nun auch wieder nicht. Dann redeten wir wieder über L. Sie fragten mich, ob ich mich mit ihm treffen würde, wenn er mich fragen würde. "Weiß nicht, ich kenn ihn ja kaum." antwortete ich. "Kommt drauf an, wie er fragt." fügte ich noch hinzu. Irgendwie war das nichtmals gelogen. Nicht so ganz jedenfalls. Ich meine, warum sollte ich mich nicht mit ihm treffen ? Ich glaube, ich würde mich mit so ziemlich jedem treffen, wenn er nicht gerade mit der dümmsten Anmache der Welt ankommen würde. Ich meine, was ist denn schon gegen ein unverbindliches Treffen einzuwenden ? Also ich persönlich bin ja der Meinung, es kommt alles so, wie es kommen soll. :-D Naja, zurück zu den Tatsachen. Ich erzählte ihnen auch noch die Geschichte von damals mit dem Stalken und so. "Aber du stehst jetzt nicht so vor Haustüren rum und wartest da, oder ?" wurde ich schließlich gefragt. "Nein, so bin ich nicht mehr." antwotete ich, aber das war definitiv gelogen. Na gut, ich habe mich geändert, das stimmt. Aber ich finde, vor Türen herumstehen ist noch das kleinere Übel. Ich bin nicht mehr so, dass ich mich ins Gebüsch legen würde, um jemanden 20 Sekunden lang zu sehen. Aber vor Türen stehe ich immernoch. Um danach mit Leuten zu reden. So ganz kriegt man den Stalker-Trieb halt einfach nicht mehr weg. Aber solange es nur das ist, ist es doch okay, oder ? Ich meine, wenn ich ganz verzweifelt bin ?
Ich fand das Gespräch mit ihnen jedenfalls sehr nett und und ich wollte mich bei allen dafür bedanken. Also fragte ich, ob ich sie umarmen dürfe. Dann brachten sie mir bei, wie man richtig umarmt. Nicht so unsicher. Ich müsse nämlich selbstbewusster werden, haben sie gesagt. Das fand ich toll. Sie sind alle so nett zu mir.
Dann wollte ich aber wirklich nach Hause. M. fragte, ob er für mich tanzen solle. Damit ich noch ein bisschen bleibe. "Ich steh nicht so auf tanzen." sagte ich. "Worauf stehst du denn ?"fragte er. "Auf Männer mit langen Haaren." sagte ich stumpf heraus. (M. hat keine Haare.) "...Besonders auf Männner mit Dreads." fügte ich noch schnell hinzu, damit bloß keiner auf die Idee kommt, dass ich doch auf ihn stehe.
Was für Musik ich höre, fragte er dann noch. "Madsen." antwortete ich. Sie wollten, dass ich etwas singe, was man kennt. Aber ich wusste nicht, ob man überhaupt irgendwas kennt, also wartete ich, bis jemand anderes ein Lied anstimmte. "Du schreibst Geschichte. An jedem Tag. Denn jetzt und hier bist du ein Teil von ihr." sang ich dann zuende. Auf einmal fingen sie alle an zu klatschen. :0 Das fand ich ein bisschen übertrieben. Sooo toll singe ich nun auch wieder nicht. Aber schön, mal so ein Feedback zu bekommen. Ich solle mein Gesicht nicht hinter meinen Händen verstecken, wenn sie klatschen, wurde mir dann noch gesagt. Das gehört auch zum Selbstbewusstsein dazu.
Joa, das war's auch so ziemlich. Man sagte mir auch noch, dass ich mich immer so schön anziehen würde.. Ich meine, ich liebe meine Anziehsachen, aber sooo besonders sind sie nun auch wieder nicht . :o Heute hatte ich zum Beispiel ein weißes Shirt und meine neue blaue T-Shirt-Jacke an und dazu eine Jeans. Gefreut habe ich mich über das Kompliment natürlich trotzdem. :-)
Jetzt sitze ich hier, bin verwirrt von Kopf bis Fuß, freue mich, dass ich endlich zuhause bin und mir gehen so einige Sachen durch den Kopf:
1. Ich weiß immernoch nicht, wie ich einschlafen soll, bis er am 17. November wiederkommt.
2. Ich hoffe, ich war heute nicht zu auffällig, als ich von ihm geredet hab.
3. Ich vermisse ihn.
4. Ich hoffe, ich habe nichts falsches im Zusammenhang mit L. gesagt.
5. Ich weiß nicht, was ich von L. halten soll (G. meinte auch noch, dass sie glaubt, dass er sich total verstellt der Außenwelt gegenüber und dass sie glaubt, dass er in Wirklichkeit gar nicht so hart sei, wie er immer tut. Ich meine, sie kennt ihn ein bisschen besser als ich, sie hat die ganze letzte Woche auf dem Seminar mit ihm verbracht.)
6. Ich bin müde und hab keine Lust, morgen wieder von 13-21 Uhr zu arbeiten.
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