Gestern war der Geburtstag von meiner Oma. Wir waren essen, alles gut soweit. Er konnte leider nicht dabei sein, weil er noch in der Schule war. Aber ich freute mich auf den Nachmittag, denn er würde zum Kaffee kommen. Dachte ich. Also saß ich da, am Kaffeetisch. Es wurde halb vier. Dass das um halb vier nicht klappen würde, habe ich mir eigentlich gedacht. Es wurde vier Uhr. Es wurde halb fünf. Die Zeit verging, ohne eine Nachricht von ihm. Und das, obwohl er mir versprochen hatte, dass er sich meldet. Das allerschlimmste daran war, dass ich ihm in der Nacht eine total süße Nachricht geschrieben hatte, was mich richtig viel Überwindung gekostet hat. Nichtmals darauf habe ich eine Antwort bekommen. Irgendwann war es sechs Uhr, ich saß im kleinen Zimmer, alleine, im Dunkeln, am Fenster. Ich zitterte am ganzen Körper, mein Herz begann zu rasen und meine Zähne zu klappern. Ich konnte einfach nicht dort weg. Wäre gerne bei den Leuten gewesen, doch ich fühlte einen Drang, auf die Straße zu gucken, in der Hoffnung, dass sein Auto bald kommen würde, um immer wieder enttäuscht zu werden, wenn ein anderes Auto vorbei fuhr. Ich begann schon, mir Sorgen zu machen. Um halb sieben hab ich ihm schließlich geschrieben. "Gehts dir gut ?" Bald kam die Antwort. Er war beim Arzt und hat was für die Schule getan. Ist ja vollkommen okay, aber er hätte mir bescheid sagen müssen. Ich habe die ganze Zeit auf ihn gewartet - oder zumindest auf eine Nachricht von ihm. Er weiß, dass ich ein sehr sensibler Mensch bin. Auch, wenn ich versuche, das zu verstecken, seitdem wir zusammen sind. Aber er weiß es. Und das, was er an dem Tag mit mir gemacht hat, war wie Folter für mich. Panikattacken. Herzrasen. Ich weiß, dass ich nicht normal bin. Ich weiß aber auch, dass es nicht normal ist, sich den ganzen Tag nicht zu melden, obwohl man es versprochen hat, obwohl man versprochen hat, vorbei zu kommen. Es tat ihm total leid, dass er sich nicht gemeldet hatte und er fühlte sich schlecht. Immerhin hat er es verstanden. Trotzdem hätte das nicht passieren dürfen. Und auf die Nachricht von der Nacht hab ich ihn auch angesprochen. Er fand es total süß. Aber das hätte er mir sagen müssen. :( Das ganze hat mich sehr traurig gemacht, aber der Tag war ja nunmal passiert und ich war froh, dass er es eingesehen hat und, dass es ihm leid tat. Also habe ich gesagt "Lass uns nicht mehr drüber reden, ich liebe dich doch. ♥" Darauf hat er geschrieben: "ich dich doch auch mehr als alles andere auf der welt ♥" und das hat mich sehr glücklich gemacht, weil er sowas noch nie zu mir gesagt hat. Klar war das ein scheiß Tag, aber das kann man im Nachhinein nicht mehr ändern und nach all den Sachen, die er mir gestern abend noch geschrieben hat, war ich wieder ziemlich glücklich. Dass er nicht gekommen ist, war gar nicht mal so schlimm. Das schlimmste war, dass er sich nicht gemeldet hat. Den ganzen Tag lang. Und das ist Folter. Seelische Folter. Zumindest für eine psychisch kranke wie mich.
Okay, dann war ich glücklich. Heute hab ich auch mit ihm geschrieben. Er hat gesagt, dass wir uns am Wochenende nicht sehen, aber dafür von Mittwoch bis Freitag ganz viel. Das hört sich sehr fair an und im Grunde genommen finde ich das auch echt in Ordnung. Allerdings ist am Wochenende eine Veranstaltung, auf die ich mich sehr gefreut hatte, insbesondere, weil wir vor mehreren Wochen darüber gesprochen haben, ob wir zusammen hingehen. Das hat mich dann natürlich echt runter gezogen. Diese Veranstaltung bedeutet mir wirklich viel. Und das ist nur ein mal im Jahr. Dann habe ich geweint. Laut geweint. (Aber das weiß er nicht.) Ist schon gut, ich bin es gewöhnt, ständig enttäuscht zu werden. Aber irgendwann kann ich auch nicht mehr. Ich wusste wirklich nicht, was ich sagen sollte, als er mich gefragt hat, ob das okay ist. Nein, natürlich ist das nicht okay für mich. Aber das wollte ich nicht sagen, weil ich ihm nicht vorschreiben will, was er zu tun hat und ich will auch nicht, dass er das denkt. Aber was soll ich schreiben ? 'Ja, finde ich großartig, dass du dir was anderes vornimmst, obwohl wir was zusammen geplant haben' ??? Es geht mir gar nicht darum, dass ich ihm sagen will, was er zu tun hat. Schließlich ist das seine Entscheidung und wenn er lieber das andere macht, dann soll er das tun. Ich finde einfach nur, dass man sich nichts anderes vornimmt, wenn man was mit seiner Freundin geplant hat ! und nur, weil jemand anderes auch seiner Freundin absagt, heißt das doch nicht gleich, dass er das auch tun kann oder sollte. Klar verstehe ich ihn auch irgendwie, weil das eine Einladung ist, und man kann sich schließlich nicht aussuchen, an welchem Tag man eingeladen wird. Trotzdem hatten wir das eher geplant und es ist ja jetzt nicht so, dass er mirzuliebe mitkommen sollte, sondern dass das eine Veranstaltung ist, von der ich dachte, dass sie uns beide interessiert.
Jetzt sitze ich hier, nachdem ich eine Weile geheult habe und eine Weile gebraucht habe, um mich wieder einzukriegen und denke darüber nach, dass das doch alles nicht normal ist: An einem Tag macht er mich zum glücklichsten Mädchen der Welt - am nächsten Tag sitze ich weinend auf dem Fußboden und leide an Panikattacken - seinetwegen. Glücklich - traurig - glücklich - traurig. Es ist immer eins dieser beiden Extreme. Es gibt kein Zwischending. Entweder ich bin super glücklich und euphorisch oder ich bin total traurig, enttäuscht und niedergeschlagen. Ich habe wirklich Angst, dass das das Anfangsstadium einer Persönlichkeitsstörung sein könnte. Ich meine, wenn das so wäre, würde ich nicht ihm die Schuld geben. Für die Ursachen müsste man viel weiter in meine Vergangenheit zurückblicken. Mindestens bis zu dem Punkt, wo mein Ex mich verlassen hat, weil ich angeblich zu viel geliebt habe und mich danach mit einer anderen ersetzt hat. Denn das ist der Zeitpunkt, an dem ich mein Vertrauen in die Menschheit und vor allem in die Menschlichkeit verloren habe. Und das ist der Zeitpunkt, seitdem ich nicht mehr weirklich lieben kann. Nicht mehr uneingeschränkt lieben kann. Der Zeitpunkt, seitdem ich mich nicht mehr traue, meine Gefühle zu äußern und der Zeitpunkt, wo ich angefangen habe zu verlernen, wie man überhaupt Gefühle äußert. Aber genug davon. Ob ich eine Persönlichkeitsstörung habe, darüber lässt sich streiten. Fest steht, dass ich eine psychische Erkrankung habe und das macht mich fertig. Das macht mein Leben nicht einfach. Ich glaube nicht, dass diese Beziehung ohne Krankheit einfacher wäre. Jedoch könnte man die Probleme einfacher lösen, weil ich nicht ständig unter diesen Extremzuständen leiden würde.
Ich liebe ihn doch. So unglaublich sehr. So sehr, dass ich mich nichtmals traue, ihm zu sagen, wie sehr. Aber diese ganzen Sachen macht mich echt fertig. Oder bin das nur ich, dass ich finde, dass man sowas einfach nicht macht ?
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