Sonntag, 2. Februar 2014

Realität 1

Ich stehe irgendwo zwischen Leuten, die mich nicht interessieren und Bands, die mich nicht interessieren. In diesem Saal ist so ziemlich jeder größer als ich. Und dafür hab ich noch Eintritt bezahlt. Fremde Leute. Und ich habe nur Augen für einen.
"Please be here on time.", habe ich gedacht, bevor es hier so voll war. Dreiundzwanzig Minuten, nachdem es beginnen sollte, stehe ich hier, eine kleine Träne rollt mir die Wange hinunter. Wieso ? Wieso habe ich geglaubt, du würdest kommen ?
Eine Ansage. Ich höre seine Stimme, sie hallt durch den ganzen Saal, durch das Mikrofon und aus den Lautsprechern wieder raus. Ich bekomme eine Gänsehaut.
Jetzt wird es laut. Licht von allen Seiten. Aber mich interessiert es nicht. Ich habe nur Augen für einen. Stelle mich quer in die Menschenmenge. Man sieht mich nicht. Jedenfalls nicht, wenn man nicht drauf achtet. Und das tut er nicht.
      Hast du mich überhaupt schon gesehen ?

Für den Bruchteil einer Sekunde sehe ich hin. Gott, sind die hässlich, denke ich. Eigentlich will ich gehen. Aber die Hoffnung in mir will einfach nicht sterben, dass vielleicht heute doch noch etwas gutes passieren könnte. Wir werden sehen, denke ich und bleibe. Und ich mag die Hoffnung nicht aufgeben, dass er nicht vielleicht noch kommt...
Ich kann mich hier niemandem anvertrauen.. Also stehe ich verloren in der Masse..
'cause i'm a little bit lost without you..

Ich sehe, wie er sich durch die Masse schiebt. Aber im nächsten Moment ist er in der Masse verschwunden.

Ich glaube, es ist mein Schicksal, dass ich hier bin.
Ja, er ist da. Aber die Person, auf die ich mich eigentlich und das schon seit Tagen gefreut habe, nicht.

Später stehe ich hinten im Saal, in der letzten Reihe, ja, da, wo eigentlich schon gar keine Reihe mehr ist. Ich warte, weil ich weiß, dass er hier vor einer Weile lang gegangen ist. Und nach kurzer Zeit werde ich belohnt: Er kommt auf mich zu. Wird er mich sehen ? Oder wird er mich ignorieren ? Warum sollte er ? denke ich. Er kommt auf mich zu. "Hey." Ja. Er sieht mich. Wir umarmen uns. Er geht weiter, "eine rauchen", sagt er. Ich gehe ihm schnell hinterher. :-) Für eine Weile standen wir zusammen draußen. Zusammen alleine. An der Hintertür. Es war schön. Er sprach mich nochmal auf den Mann an. Es war richtig, dass ich ihn angerufen habe. Ich weiß. Ich bin so froh. Wenigstens eine halbe Zigarette haben wir zusammen geraucht. Dann muss er wieder rein.

Später passiert noch etwas sehr eigenartiges: Ich lerne jemanden kennen. Wir stehen draußen und ich spreche ihn an. Wir hängen den ganzen Abend zusammen ab, trinken ein Bier zusammen und ja, mir ist erst hinterher aufgefallen, dass ich mit dem Auto bin. Mit der Zeit denke ich viel nach:
Ich liebe Person A. Ich bin mit Person A zusammen. Person A macht schluss. Dann kommt Person B in mein Leben. Ich vermisse Person A, denke aber, dass Person B mir dabei helfen könnte, Person A zu vergessen. Auf einmal kommt eine Person C dazu. Ich denke mir, dass ich aber eigentlich Person B will. Dann frage ich mich, warum mir Person C nicht genauso dabei helfen könnte, Person A zu vergessen wie Person B. Vor allem, wenn Person C mich will, Person B allerdings nicht. Andererseits weiß ich von beidem, dass es nicht das richtige wäre..

Lange Rede, kurzer Sinn: Nach einem ganzen langen Abend, der immer wieder von seiner Stimme durchspickt war, ja, von Seiner Stimme, die ich in meinem Spielchen als Person Y bezeichne. Jedes Mal lief mir ein warmer Regen den Rücken hinunter. Mein Herz wurde ganz warm. Am Ende allerdings bin ich dann doch mit Person C gegangen. Jedoch als wir uns verabschiedet haben, habe ich in seine Augen gesehen und wusste, alles, was ich wollte, war er. Auch, wenn das absurd ist. Ich mag absurde Sachen, genauso wie tiefsinnige Gespräche vor der Tür und halbe Kippen.
Nachdem wir gegangen waren, sind wir mit meinem Auto zum Bahnhof gefahren. Inzwischen war es halb 1 und wir haben Döner gegessen. Ich habe Döner gegessen. Er eine Salattasche. Danach saßen wir noch im Auto und ich habe ihn nachhause gefahren. Im Auto haben wir noch eine Weile gesessen. Uns angesehen. Geredet. Naja, irgendwann haben wir uns nur noch angesehen. Und uns geküsst.

Ich weiß gerade gar nichts. Ich bin vollkommen im Gefühlschaos. Natürlich vermisse ich ihn, aber ich kann ja nicht rückwärts gehen, ich muss ja irgendwo hin gehen.. Also gehe ich nach vorn. Es gibt nur so viele Richtungen.. Ich weiß nicht, ob das die richtige ist. Nein. Das ist sie mit Sicherheit nicht. Aber muss denn alles, was nicht richtig ist, automatisch falsch sein ?
Es ist total merkwürdig.. Gestern habe ich noch Briefe an Person B geschrieben und ich würde es am liebsten immernoch tun, aber ich bin so verwirrt.. Ich will alles.. und nichts..

Doch auf einmal mache ich mein Stativ wieder zusammen und mir wird plötzlich alles ganz klar: Das ist es, was ich will.

Und wie komm ich da jetzt wieder raus ? Es gibt keinen Ausweg. Das Leben ist keine Hüpfburg. Und was mach ich jetzt ? Heute Abend werde ich so allein sein wie schon lange nicht mehr. Seitdem er weg ist, seitdem er mich verlassen hat, war ich im Grunde genommen immer alleine, aber immer hatte ich diese eine Person, die für mich da war. Mich gewärmt hat. Mich getröstet hat. Und mich zum lächeln gebracht hat. In meiner Imagination. Aber heute ? Weiß ich nicht, was ich mir wünschen soll. Am liebsten das gleiche wie gestern. Aber warum habe ich es dann gemacht ? Warum ? Hab ich schon wieder verkackt ? Hab ich schon wieder alles falsch gemacht ? Ich wollte mich nie mehr in so eine Scheiße begeben. Und wie lange hat dieses nie mehr gehalten ? Keine 3 Wochen. Ahaha.

Inzwischen ist es 4:38. Ich liege im Bett. Ich überlege. Ich will so nicht für immer sein. Heute Abend war ich eine Person, die ich für einen kurzen Zeitraum gerne gewesen wäre. Aber nicht für immer. Ich will einfach ich sein. Ich will mich nicht verstellen. Ich bin nicht so stark, wie ich getan hab. Ich bin nicht cool, auch nicht ansatzweise. Ich weiß nicht, was ich will und ich hab keine Ahnung, wo ich gerade hingehe. Wenn ich erhlich bin, steh ich momentan total auf dem Schlauch. Ich bin schwach. Ich bin süß und romantisch, ich bin uncool. Ich bin nicht das, was Männer wollen. Um das mal klarzustellen. Es tut mir leid, aber das Mädchen, das du kennen gelernt hast, war nicht ich.

Ich weiß nicht, ob das reicht, oder ob das überhaupt wahr ist. Auf jeden Fall hab ich mir das gerade so überlegt. Jetzt will ich schlafen. Ich denke, ich werde einfach alles so machen wie gestern. Ich warte, bis er kommt, dann schütte ich ihm mein Herz aus und höre, was er dazu zu sagen hat. Imagination for the win !
Ich habe keine Ahnung, vielleicht ist es ja auch das, was mir für den Moment hilft, aber ich würde schon ganz gerne die Person sein, die ich bin...

Ich habe erst wieder gemerkt, wer ich bin, als ich in seine braunen Augen gesehen habe und gespürt habe, das das, was ich tue, nicht zu dem passt, was ich bin. Jetzt bin ich verzweifelt. Habe 4 Lösungsansätze und 1 Gefühlschaos.

HILFE !

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