Auf der Arbeit war nicht besonders viel los, weil es so geregnet hat. Trotzdem hatte ich am Ende alle Würstchen verkauft und kurz vor Schluss kam noch ein Mann und sagte: "Eine Bratwurst bitte." Ich sah auf den leeren Grill, danach sah ich ihn an und fragte: "Welches von diesen Würstchen hätten Sie denn gern ?" ..okay, das war etwas gemein, aber was denken sich die Leute dabei ??
Als ich dann relativ pünktlich zuhause war, sprang ich schnell unter die Dusche und machte mich komplett neu fertig, wofür ich glücklicherweise zweieinhalb Stunden Zeit hatte. Um viertel nach sieben fuhr ich los. War also um zwanzig nach oder so da. Sein Auto war da, natürlich, er war ja auch schon seit Stunden dort. Ich parkte auf meinem Stammparkplatz, dann zündete ich mir erstmal eine Zigarette an, weil ich dafür heute noch keine Zeit hatte. Während ich rauchte, ging ich auf den Eingang zu, wo P. stand und telefonierte. Während er dort so rumschlich, rauchte ich noch zuende und als er auflegte, sagten wir uns hallo und ich ging mit ihm rein. Wir waren heute in Halle 4, die sich links vom Eingang befindet, also durften wir schon in die große Halle rein. Als erstes sah ich N. Ich freute mich wirklich, sie wiederzusehen, weil sie eine besondere Ausstrahlung hat und ich gerne in ihrer Nähe bin. Während wir sprachen, sah ich ihn. Ich blieb aber ganz natürlich und sah auch nicht weiter hin. Verhaltenskodex. Nach ein paar Minuten, zwei vielleicht, haben wir uns auch begrüßt, umarmt haben wir uns, er hatte Gläser in der Hand. "Chick siehst du aus.", sagte ich noch zu ihm, deutete dabei auf seine Kochmütze. Heute ging es nämlich tatsächlich um Suppe. Klingt öde ? War es aber nicht ! Ich hätte vorher auch nie gedacht, dass man sich einen ganzen Abend über Suppe unterhalten, ja sogar philosophieren kann, aber ja, es geht und genau daher hatte das Event ja schließlich auch seinen Namen.
Nachdem wir uns begrüßt hatten, sagte er zu N., dass es noch eine Besprechung gäbe. Ich ging natürlich nicht mit, bin ja auch nur Zuschauer gewesen. Als sie dann also weg waren, ging ich zu V., die wie immer die Kasse machte. Sie redete mit jemandem, das konnte ich sehen, aber ich wusste nicht, mit wem. Eine Frau, das war unschwer zu erkennen. Ich gesellte mich dann also zu den beiden, legte meine Bananen, die ich mitgebracht hatte, neben die Kasse auf das Pult und unterhielt mich mit ihnen. Ich stellte mich vor. Dann sagte sie, dass sie mit ihm dort sei und, dass wir uns schon mal gesehen hätten. An Silvester. Und ja, es stimmt. Es war dieser unglaubliche und magische Moment in der Silvesternacht um Punkt ein Uhr, wo ich so durch die Straße ging und auf einmal ihn getroffen habe, in Begleitung zweier Frauen, an die ich mich aber nur dunkel erinnerte. Aber diese Frau war dabei, da war ich mir sicher. Ich erinnere mich noch, damals, wo ich mir den Kopf darüber zerbrochen habe, ob es seine Freundin war, oder nur eine Bekannte, gute Freundin oder sonst was. Jetzt weiß ich es: Ich sah sie mit großen Augen an und sagte: "Dass Sie sich daran erinnern.." Sie sagte, dass ich nicht Sie sagen soll und ich sagte: "Dass du dich daran erinnerst..." Wegen meinen langen Haaren, sagte sie, und weil ich die einzige war, die ihnen auf diesem Weg begegnet ist. Fand ich auf jeden Fall echt cool, dass sie sich an mich erinnerte, und ja, sie ist seine Freundin, das habe ich sie dann auch gefragt. Ganz ehrlich, ich glaube, außer in dieser Silvesternacht habe ich sie noch nie gesehen ! Ich weiß noch, als er Ende letzten Jahres sagte: "Am Samstag kommt meine Freundin.", und wie ich an diesem Samstag nervös auf und ab gelaufen bin, die Augen offen gehalten habe und in jedem Winkel gesucht habe, ob sie sich nicht doch irgendwo versteckt. Ernsthaft, ich glaube, ich hätte sie gesehen, wäre sie da gewesen. Jetzt habe ich sie jedenfalls endlich persönlich kennen gelernt und der erste Eindruck war wirklich sehr nett. Danach brauchte ich allerdings erstmal einen Moment, um klarzukommen. Sie ist, zumindest vom obtischen her, das komplette Gegenteil von mir. Schulterlange dunkle Haare, schlank, kein bisschen Hippie Style. Hab ich doch alles falsch gemacht ? Vielleicht habe ich mich beim Versuch, ihm zu gefallen, auch einfach nur in etwas reingeritten ? Hilfe ! Zu viele Gedanken. Nun stand ich da also, und redete mit seiner Freundin. Aber das war lang noch nicht alles !
Bevor die Veranstaltung begann, passierte nicht mehr so viel. Ich lernte noch andere Leute kennen, ein Mann, der ihn irgendwie von früher kannte oder so, dann, um kurz nach 20 Uhr, war Einlass und die (leider viel zu wenigen) Gäste durften in die Halle. Es waren so viele Plätze frei, dass ich erstmal zwei Minuten vorne stehen blieb, weil ich mich nicht entscheiden konnte, wo ich mich hinsetzen sollte. Eigentlich überlegte ich auch nur, ob es zu auffällig wäre, wenn ich mich neben sie setzen würde. Das hat sich dann aber von selbst erledigt, denn es kamen zwei Typen, die das für mich taten und ich ließ mich dann neben ihnen nieder. Und dann ging es los. Er stand hinter der, ja, nennen wir es Küchenzeile, schon die ganze Zeit, vorne stand der Moderator, den ich vom letzten Poetry Slam kannte. In der ersten Hälfte redeten wir über Suppe, über das, was wir mit Suppe verbinden, über das, was in eine Suppe gehört, sahen sogar einen Kurzfilm, in dem P. in der Stadt Leute zum Thema Suppe interviewt hatte. Im Hintergrund immer er, wie er Gemüse schnibbelte und sämtliche Zutaten in die Suppe mischte. Eine Curry Suppe sollte es werden, so viel hat er verraten, mehr nicht. Schon klar, dass er für mich nicht einfach nur im Hintergrund war. Für mich drehte sich die ganze Veranstaltung nur darum, wie er dort stand und sich bewegte. Ich erwischte mich immer wieder dabei, dass ich gar nicht dem Programm folgte, sondern nur ihm zusah und dabei alles andere vergaß. Zwischendurch kamen mir auch immer Sachen in den Kopf, die ich am liebsten laut ausgesprochen hätte, aber es glücklicherweise nicht getan habe vor diesem Riesenpublikum von 14 Leuten inklusive seiner Freundin, und natürlich auch vor ihm. Während er die erste Zutat, Porree glaube ich war das, in die Suppe warf, ging mir zum Beispiel durch den Kopf: "Ich will keine Suppe - ich will dich." Ich denke, ich brauche nicht zu erläutern, wie ich das meinte. Irgendwie fühlte ich mich klein. Seine Freundin saß zwei Plätze links von mir, wie sollte ich mich auch fühlen ? Nicht eifersüchtig. Nein, so was ist das nicht mit uns beiden. Das Gefühl, für das es kein Wort gibt, ist etwas ganz anderes. Im Gegenteil, es war mir sogar angenehm, dass sie anwesend war. Obwohl ich teilweise doch dachte: "Und ich ? .. Ich bin dein ... irgendjemand..." Immer wieder sah ich ihn an und ich kontne einfach nicht aufhören. Hin und wieder hat er auch etwas gesagt und immer, wenn seine Stimme aus den Lautsprechern ertönte, bekam ich eine Gänsehaut am ganzen Körper.
"Hier sitzen zwei Frauen in der ersten Reihe, deren Herz nur für den einen schlägt."
Irgendwie eine komische Situation. Auch ein bisschen ironisch, weil ich es so geheim halten muss und bei ihnen weiß es einfach jeder. Jedes Mal, wenn ich ihn ansah, brach in mir eine innere Unruhe aus. Unwillkürlich spielte ich die ganze Zeit an meinen Bananen herum, die ich immernoch im Schoß liegen hatte, weil Hu., mit dem ich sie zu verzehren plante, noch nicht da war. "Ich muss aufhören, meine Banane zu streicheln." Denn wenn ich eins hier nicht gebrauchen kann, dann ist es, dass die Leute zweideutig über mich denken. Wie dem auch sei, nach knapp einer Stunde war dann die Pause, vor der Pause trat N. noch auf, was für mich eins der Highlights dieses Abends war. In der Pause redete ich mit ihr, danach ging ich raus zum rauchen, außerdem war Hu. inzwischen da, er redete mit Leuten, die ich nicht kannte. Dabei aßen wir unsere Bananen und später kam er auch raus. Ich versuchte, natürlich zu wirken und auch, mir nichts anmerken zu lassen, als er seine Freundin küsste. Ich habe nicht hingesehen. In diesem Moment war ich doch sehr unruhig, auch, wenn das mit Eifersucht nichts zu tun hat. Ja gut, vielleicht ein bisschen, aber ich schwöre es, es war nur in diesem einen Moment. Dann hatte er Schluckauf bekommen, von irgendwas in der Suppe, ich habe es nicht so genau gehört, jedenfalls bekommt er davon immer Schluckauf. Ich fands irgendwie süß. Ja, vielleicht stimmt es ja, dass ich alles ein bisschen übertreibe, aber ich glaube, das ist so ein Gefühl, wo du nicht zurück gehen oder umdrehen kannst, du bist nun eben an diesem Punkt angelangt und dann ist das halt so. Nach der Pause war der Platz neben ihr noch frei, also setzte ich mich dort hin. Musste natürlich jetzt noch mehr aufpassen, wie ich mit meinen Händen rumfuchtel und welche Sachen ich in meinem Handy aufschreib. "Stell dir vor, du brauchst dich nicht nach ihm sehnen.", dachte ich mir, um es mir leichter zu machen, meine Hände still zu halten. "...Aber ich sehne mich nach ihm." War meine innerliche Antwort. Dann sahen wir noch einen Kurzfilm, wir hörten Gedichte von Poetry Slammern, während er Zutaten wie Pilze, Sojabohnen, Sesamöl und Petersilie in die Suppe gab. Außerdem spielte N. noch ein paar Lieder. Darunter auch das "Praktikantenschwein", wodrin sie an einer Stelle singt "Du bist viel jünger noch als meine Frau." und an dieser Stelle musste ich unwillkürlich lachen, es war mir so peinlich, weil es wirklich jeder mitbekommen hat, aber ich konnte es leider nicht stoppen. Dieser Moment ging zum Glück auch vorbei und dann war die Suppe fertig, alle durften nach vorne kommen und sich eine Schale voll Suppe abholen. Solche Pappschalen waren das. Grüne Pappschalen. Dazu gabs einen Plastiklöffel. Auch ich holte mir eine Suppe, die er mir auffüllte und anreichte. Die Suppe war wirklich lecker, obwohl ich eigentlich ja gar keine Sojabohnen mag und das ganze andere Gedöns erst recht nicht, aber das meiste hat mir sogar echt geschmeckt, wahrscheinlich lag das aber weniger am tatsächlichen Geschmack, sondern eher daran, dass er die Suppe gekocht hat und demnach alle diese Sachen vorher in der Hand gehabt hatte. Als ich meine Suppe fast aufgegessen hatte, konnte ich allerdings nicht mehr. Ich habe mich echt tapfer geschlagen, finde ich. Und in meinen Magen hat auch wirklich nichts mehr reingepasst. Was macht man dann also ? Richtig, wegschmeißen. Aber doch nicht die Pappschale ! Die habe ich ausgespült und mit nach Hause genommen :D Man möge mich verurteilen, aber so bin ich nunmal. Hu. fragte mich, ob ich raus wollte, um zu rauchen. Ich hatte zwar gerade erst geraucht, aber die Idee fand ich eigentlich gar nicht so schlecht, weil ich dachte, dass er bestimmt draußen ist. War er aber nicht. Stattdessen waren dort die Menschen, die ich nicht kannte. Doch plötzlich, mitten im Gespräch witterte mir etwas. Ich sah sie an und fragte: "Wer bist du ?" Und, wow, es war tatsächlich seine Schwester, die ich seit Ewigkeiten kennen lernen wollte, und die andere Frau ist ihre Mutter ! Für mich waren das so viele neue Eindrück heute Abend, ich habe praktisch seine komplette Familie kennen gelernt, seine Mutter, seine Freundin und seine Schwester, mit der ich mich dann noch eine Weile unterhielt, darüber, dass ich sie immer schon kennen lernen wollte, über Schule, über unsere Stadt und darüber, dass sie Medizin studiert. Zwischendurch kam er auch raus und mein erster Instiknt war: 'Oh schön, jetzt können wir reden.' Was ich aber nicht bedacht habe: Seine Freundin stand auch dort und natürlich ging er zu ihr. Als es einen Moment still war, sagte ich, dass mein Bauch weh tut, aber dass die Suppe sehr lecker war. Dann wurde mir kalt und wir gingen alle rein. Er war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon wieder drinnen. Jetzt wurde auch nur noch aufgeräumt, Reste verschenkt, alles verpackt. Er hatte solche Weingummi Pilze oder was auch immer, die er uns anbot, aber ich sagte: "Ich esse die nicht so gerne." Ich esse lieber Ufo's. :D Die Teile sind der Hammer. Irgendwann war dann die Rede von nach Hause kommen, Hu. wollte mit den beiden laufen, um dann noch zu reden oder so, da war ich schon wieder eifersüchtig, weil ich auch mit ihm reden will, weil ich auch mit ihm laufen will, weil ich auch mit ihm befreundet sein will, weil ich auch mit ihm privat sein will. Seine Mutter und seine Schwester gingen dann, wobei seine Schwester sich von mir verabschiedet hat, seine Mutter hingegen hat sich nur von Hu. und allen anderen verabschiedet; in diesem Moment hab ich mich klein und unwichtig gefühlt. Aber auch das ging vorbei. Es lief darauf hinaus, dass wir vier die letzten waren, aber das ganze hatte sich dann auch recht schnell aufgelöst. Also gingen wir raus und auf dem Weg beschlossen sie, doch mit dem Auto zu fahren und Hu. wollte dann auf einmal doch lieber mit mir fahren, er sagte, er sei müde und wolle direkt schlafen gehen, hinterher stellte sich aber heraus, dass er eigentlich nur wollte, dass ich noch mit zu ihm komme, damit wir Tee trinken und reden können, weil er gemerkt hat, dass bei mir was nicht stimmte. Wir verabschiedeten uns dann also an seinem Auto, Hu. redete noch viel mit ihm, von wegen, dass er seine Hilfe für irgendwas braucht und, dass sie mal wieder reden müssten und er doch am besten zu ihm kommen möchte und dass sie noch telefonieren werden und, dass er morgen in seinem neuen Büro ist und, dass seine Freundin bis Montag bleibt. Ich stand daneben und dachte mir nur so: "Ja. Ich will das alles auch." Aber gut, das ist Schicksal, Pech oder Unglück. Wie auch immer man es nennen mag. Jedenfalls umarmten wir uns zur Verabschiedung, ich sagte nochmal, dass mir der Abend gefallen hatte und, dass sie vorsichtig fahren sollten, weil ich vorher mitbekommen hatte, wie sie beide sagten "Ich kann noch fahren, ich bin voll ok.", was mich irgendwie doch beunruhigte. Jedenfalls bin ich dann hinter ihnen her gefahren und dadurch, dass ich Hu. weggebracht habe, bin ich noch eine Kreuzung weiter hinter ihnen her gefahren als sonst, was mich aber irgendwie traurig gemacht hat, weil wenn ich normal in Richtung Zuhause abgebogen wäre, hätte er mir mit Sicherheit wieder gewunken, diesmal sogar vom Beifahrersitz aus, so war er dann einfach plötzlich weg...
Als wir bei Hu. waren, sagte ich ihm dann, dass ich wirklich müde wäre und nicht mehr mit hoch kommen wollte. Dann fuhr ich nach Hause und jetzt sitze ich hier mit einem Arsch voll neuer Eindrücke, Informationen und Leute, die ich schon lange kennen lernen wollte, was mich auch eigentlich ganz glücklich macht, allerdings brauche ich echt erstmal meine Zeit, um das alles zu verarbeiten. Ich bin wirklich froh, dass ich mit so wenig Eifersucht durch den Abend gekommen bin, vor allem, das war alles total unerwartet und ich hatte nichtmals die Gelegenheit, mich darauf vorzubereiten; dafür fand ich es allerdings ganz gut.
Was ich noch an diesem Abend festgestellt habe: Wie aussichtslos das alles ist. Und das macht mich irgendwie traurig.. Ich will ja gar nicht seine Freundin sein, deshalb bin ich auch nicht eifersüchtig, ich will einfach nur mit ihm Zeit verbringen, in seiner Nähe sein, mit ihm reden, in seinen Armen liegen, mit ihm einschlafen, okay, jetzt wird's zu bunt, aber egal. Ich brauche ihn. Auch, wenn er vielleicht recht hat, damit, dass wir uns kaum kennen und alles, aber ich brauche ihn. Er gibt mir Halt, und, obwohl ich das ganze ein bisschen runtergeschraubt habe, weil ich einfach seit dem 27. Februar nicht mehr so viel empfinden darf, ist dieser Halt, den er mir gibt, immernoch da, wenn ich in seiner Nähe bin und das Gefühl, für das es kein Wort gibt, wird eh immer bleiben.
Frage mich, wie ich heute einschlafen soll. Und morgen. Habe mit einer Liedeile angefangen:
"How can I fall asleep tonight knowing she is by your side."
Was soll ich nur tun, es ist so aussichtslos. :-(
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